Auf dem Gartner Cybersecurity & Risk Management Summit 2026 in London stellte Analystin Niyati Daftary acht Cybersecurity-Projekte vor, denen Sicherheitsteams laut Gartner 2026 Vorrang geben sollten. Vier Projekte konzentrieren sich auf KI, die anderen vier auf Resilienz und Infrastruktur. Die Liste reicht von KI-Registern bis zu Post-Quanten-Kryptografie und Deepfake-Abwehr.
Gartner zufolge greifen die acht Projekte die sich wandelnden Anforderungen in der IT-Sicherheit auf und bereiten Organisationen auf eine weitere Skalierung von KI vor. Daftary unterteilte die Empfehlungen in zwei Kategorien: KI-Cybersecurity-Projekte sowie Projekte rund um Resilienz und Infrastruktur.
Governance und Transparenz über KI-Nutzung
Das erste Projekt dreht sich um eine hybride Cybersecurity-Governance als Antwort auf KI-Regulierung. Gartner empfiehlt, Security, Legal und Compliance eng zusammenarbeiten zu lassen und technische sowie sicherheitsbezogene Kontrollen in sogenannten AI Model Cards oder System Cards festzuhalten. Indem diese Dokumentation in AI-TRiSM-Frameworks (Trust, Risk and Security Management) einfließt, erhalten Sicherheitsteams laut dem Analystenhaus einen besseren Überblick über Risiken wie Model Drift und Datenherkunft.
Das zweite Projekt zielt darauf ab, den KI-Footprint zu erfassen. Daftary zufolge werden KI-Modelle und -Agenten in vielen Organisationen eingesetzt, ohne dass dies zentral bekannt ist. Die Analystin rät CISOs, gemeinsam mit Infrastructure & Operations ein durchsuchbares KI-Register aufzubauen, das Anwendungen, genutzte Daten, Agenten, Versionen und Verantwortlichkeiten umfasst.
Entwicklungs-Workflows und das SOC
Mit dem Aufkommen von KI-Coding-Assistenten verändert sich die Softwareentwicklung. Gartner empfiehlt, KI-spezifische Sicherheitstests in CI/CD-Pipelines zu integrieren. Daftary nennt dabei offensive KI-Sicherheitstests, den Schutz sensibler Daten, die Pflege von Software Bills of Materials (SBOM) sowie menschliche Aufsicht per Human-in-the-Loop.
Das vierte KI-Projekt betrifft das Organisationsmodell des Security Operations Center. Laut Gartner verändert sich das SOC durch den Einsatz von KI-Agenten. KI soll Analysten unterstützen und die Arbeitslast senken, während menschliche Urteilsbildung bei Incident Response und Resilienzstrategie maßgeblich bleibt.
BIA und Identitäten
Bei den Resilienzprojekten steht die Business Impact Analysis (BIA) an erster Stelle. Gartner rät, die BIA zu überarbeiten und Sicherheitsmaßnahmen auf kritische Assets der Stufen Tier 0 bis Tier 2 auszurichten, etwa Netzwerkinfrastruktur, Identity Management und Kernanwendungen. Die Ergebnisse sollen Schutz, Erkennung, Reaktion und Wiederherstellung steuern, ergänzt durch regelmäßige Szenariotests.
Darüber hinaus empfiehlt das Analystenhaus, die Angriffsfläche des Identity and Access Management (IAM) zu verkleinern. Daftary bezeichnet IAM als primäres Ziel von Angreifern. Organisationen sollten laut der Analystin menschliche und maschinelle Identitäten erfassen, die IAM-Hygiene bereinigen und SaaS-Umgebungen überwachen, ergänzt durch Identity Threat Detection and Response (ITDR).
Post-Quanten und Deepfakes
Zur Vorbereitung auf Post-Quanten-Kryptografie empfiehlt Gartner, ein organisationsweites kryptografisches Inventar aufzubauen, um das Risiko von Harvest-now-decrypt-later-Angriffen zu begrenzen. Bestehende Initiativen zum Abbau technischer Schulden lassen sich dafür nutzen. Als Mittel, um Crypto-Agility zu erreichen, nennt das Analystenhaus ein Cryptographic Center of Excellence sowie das Einholen von Cryptographic Bills of Materials (CBOMs) bei Lieferanten.
Das achte Projekt ist ein Programm zur Deepfake-Abwehr. Daftary zufolge nimmt der Einsatz KI-generierter Deepfakes für Identitätsbetrug und Desinformation rasant zu. Die Analystin empfiehlt einen Defense-in-Depth-Ansatz, der Erkennungstechnologie mit angepassten Verifizierungsprozessen, Sensibilisierung der Mitarbeitenden und organisatorischer Resilienz kombiniert.
Auswahl statt Vollständigkeit
Daftary betonte, dass Organisationen nicht alle acht Projekte gleichzeitig starten müssen. CISOs sind laut Daftary gut beraten, die Liste mit ihrer aktuellen Strategie, ihrer Roadmap und bestehenden Investitionen abzugleichen. Gartner empfiehlt, die ausgewählten Projekte so abzugrenzen, dass sie innerhalb von zwölf Monaten umgesetzt werden können.
Dieser Artikel ist ursprünglich auf Niederländisch bei MSP Business erschienen. Zum Originalartikel →
