Fast acht von zehn ehemaligen Beschäftigten konnten nach ihrem letzten Arbeitstag noch auf mindestens ein Arbeitskonto oder System zugreifen. Bei 64 Prozent betraf dies auch sensible Unternehmensinformationen wie Kundendaten oder Finanzsysteme. Die Rückgabe des Laptops ist offenbar keine Garantie dafür, dass Accounts tatsächlich gesperrt werden.
Die Studie wurde von Sagiss durchgeführt, einem Anbieter von Managed IT und Cybersecurity aus Dallas. Das Unternehmen befragte im September 2026 über die Umfrageplattform Pollfish 1.000 erwachsene US-Amerikaner, die in den vergangenen fünf Jahren eine Stelle verlassen hatten, in der sie mit Computern oder Unternehmenssystemen arbeiteten. Die Zahlen beruhen auf Selbstauskünften der Befragten.
79 Prozent der Befragten geben an, dass nach dem letzten Arbeitstag mindestens ein Account oder Zugangspunkt weiterhin funktionierte. Bei 44 Prozent waren es drei oder mehr. 30 Prozent berichten, dass der Zugang länger als einen Monat aktiv blieb oder noch immer funktioniert, und 12 Prozent glauben, dass ihr alter Zugang derzeit noch funktioniert.
E-Mail führt die Liste an
Am häufigsten wird die dienstliche E-Mail vergessen: 33 Prozent konnten sich noch anmelden, und bei 25 Prozent synchronisierte sich das Postfach weiterhin mit einem Smartphone oder Computer. Ein Viertel hatte noch Zugriff auf freigegebene Dateien, und 24 Prozent erhielten weiterhin Kalendereinladungen. Ebenso häufig konnten ehemalige Beschäftigte noch ein KI-Tool des Unternehmens nutzen. Darüber hinaus nennen die Befragten Unternehmenssoftware wie CRM- oder Gehaltsabrechnungssysteme (19 Prozent), das VPN (17 Prozent) und den Zutrittsausweis für das Gebäude (17 Prozent). Nur 9 Prozent berichten, dass nichts mehr funktionierte.
Bemerkenswert ist, dass 62 Prozent am letzten Tag fest davon überzeugt waren, dass alle Accounts gesperrt worden waren. Von dieser Gruppe stellten 78 Prozent später dennoch fest, dass noch Zugänge funktionierten.
Sensible Daten in Reichweite
Insgesamt konnten 64 Prozent nach ihrem Ausscheiden noch auf sensible Informationen zugreifen. Dazu zählen Kundendaten (29 Prozent), Finanzbuchhaltung oder Zahlungssysteme (26 Prozent), Personalakten (22 Prozent) sowie Administratorkonten oder gemeinsam genutzte Passwörter (17 Prozent). In offenen Antworten nennen die Befragten auch Patientenakten, Schülerverzeichnisse und Produktionsumgebungen, in denen sie noch Änderungen vornehmen konnten. Zudem bewahren 71 Prozent noch Unternehmensinformationen an einem eigenen Ort auf, vor allem in privaten E-Mail-Konten (32 Prozent) oder auf einem privaten Computer (29 Prozent). 16 Prozent haben Unternehmensinformationen in einem KI-Tool oder einem Chatverlauf gespeichert.
Laptop zurück, Accounts offen
Das Einsammeln der Geräte ist der am häufigsten genannte Offboarding-Schritt, doch nur 28 Prozent geben an, dass ihr Arbeitgeber dies tat. Von dieser Gruppe hatten 82 Prozent danach noch Zugriff. Ein Drittel berichtet, dass der Arbeitgeber keinen einzigen der genannten Schritte durchführte. Auch die Zuständigkeit ist oft unklar: 33 Prozent wissen nicht, wer für die Sperrung verantwortlich war. Nur 4 Prozent nennen einen externen IT-Dienstleister.
Laut Travis Springer, Präsident von Sagiss, achten Unternehmen vor allem auf den Laptop, weil jemand ihn physisch einsammeln muss. Accounts sind weniger sichtbar, und jede Anwendung, die ein Team hinzufügt, schafft laut Springer einen zusätzlichen Zugang, der beim Ausscheiden gesperrt werden muss.
Eine Meldung hilft nur begrenzt. Von den 41 Prozent, die ihren ehemaligen Arbeitgeber auf den offenen Zugang hinwiesen, sahen 21 Prozent ihn noch am selben Tag verschwinden. Bei 31 Prozent funktionierte der Zugang nach einer Woche noch. Darüber hinaus geben 47 Prozent an, den Zugang nach ihrem Ausscheiden schon einmal genutzt zu haben.
Kleine Organisationen und Zeitarbeitskräfte
In Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten hatten 82 Prozent der ausgeschiedenen Mitarbeitenden noch Zugriff, gegenüber 70 Prozent in Organisationen mit mehr als 1.000 Beschäftigten. Unternehmen mit 10 bis 49 Beschäftigten liegen mit 86 Prozent am höchsten. Bei ausgelaufenen Verträgen und befristeten Stellen steigt der Anteil auf 89 Prozent. Auch bei Kündigungen geht es nicht schneller: Bei 59 Prozent blieb der Zugang nach dem Kündigungsgespräch mindestens bis später am selben Tag aktiv. Wer sieben oder mehr Accounts nutzte, behielt in 87 Prozent der Fälle Zugriff.
Springer zufolge funktioniert Offboarding, wenn eine Person die vollständige Liste der Accounts verwaltet und alles am selben Tag sperrt. Viele kleine Unternehmen beschäftigen eine solche Person seiner Ansicht nach jedoch nicht. Sagiss empfiehlt eine aktuelle Account-Liste pro Mitarbeitendem, einen einzigen Verantwortlichen für den Prozess, die Sperrung am letzten Arbeitstag oder bei Bekanntgabe der Kündigung sowie die Änderung gemeinsam genutzter Passwörter und Türcodes. Das Unternehmen bietet selbst Dienstleistungen an, die diese Aufgaben übernehmen.
Dieser Artikel ist ursprünglich auf Niederländisch bei MSP Business erschienen. Zum Originalartikel →
