66 Prozent der Security-Teams in den Benelux-Ländern weisen Defizite bei KI-Skills auf. Gleichzeitig melden 63 Prozent, dass die Zahl der Security-Mitarbeitenden durch KI gesunken ist. Das zeigt eine Studie, die Arlington Research im Auftrag von Barracuda unter 2.000 IT- und Security-Entscheidern durchgeführt hat.
Fast alle Befragten aus den Benelux-Ländern (95 Prozent) berichten von einem Mangel an Cybersecurity-Skills. Die am häufigsten genannten Engpässe sind KI-bezogene Risiken (66 Prozent) sowie Identity- und Phishing-Bedrohungen (64 Prozent), darunter Business Email Compromise (BEC), der Missbrauch von OAuth und die Umgehung der Multi-Faktor-Authentifizierung. Barracuda veröffentlicht die Ergebnisse im Cybersecurity Skills Gap Report. Der Bericht beleuchtet, wie KI, identitätsbasierte Angriffe und wachsende digitale Aktivitäten die Arbeitsbelastung von Security-Teams beeinflussen.
Erwartungen übersteigen die Kapazitäten
60 Prozent der Organisationen in den Benelux-Ländern geben an, dass ihre Teams Schwierigkeiten haben, mit den sich verändernden Geschäftsanforderungen Schritt zu halten. Laut dem Bericht wird in 42 Prozent der Organisationen von Security-Fachleuten erwartet, die wachsenden digitalen Aktivitäten ohne zusätzliche Ressourcen zu unterstützen. 40 Prozent erklären, dass die Erwartungen der Organisation über die verfügbaren Skills und Tools hinausgehen, und 38 Prozent sagen, dass die Erwartungen die verfügbare Personalkapazität übersteigen. Gut ein Viertel (27 Prozent) gibt an, die Organisation nur reaktiv statt proaktiv schützen zu können.
KI verändert Security-Rollen
Nach Angaben von 85 Prozent der Organisationen in den Benelux-Ländern wirkt sich KI bereits heute auf Security-Rollen oder den Personalbestand aus. Bei 63 Prozent ist der Personalbestand durch KI geschrumpft, gleichmäßig verteilt auf Einstiegspositionen und Senior-Rollen. Bei kritischen Entscheidungen verlassen sich die Organisationen allerdings weiterhin auf menschliche Expertise. Gut zwei Drittel (69 Prozent) setzen bei der Incident Response auf gemeinsame Entscheidungsfindung: KI unterstützt Untersuchung und Analyse, während Menschen für Kontext, Bewertung und die endgültige Entscheidung verantwortlich bleiben.
Siroui Mushegian, Senior Vice President und Chief Information Officer von Barracuda, sagt, KI verändere die Cybersecurity-Landschaft schneller, als viele Security-Teams die nötigen Skills, Erkenntnisse und Governance aufbauen könnten. Mushegian ist der Ansicht, dass Organisationen ihre Teams neu aufstellen sollten, indem sie KI und Automatisierung mit menschlicher Expertise und Urteilsvermögen kombinieren.
Einstiegspositionen und Seniorität
Die Hälfte der Organisationen in den Benelux-Ländern benötigt zusätzliche Expertise in den Bereichen Incident Response, Entscheidungsfindung unter Druck und Risikomanagement. Barracuda erwartet, dass diese Lücken wachsen, wenn Organisationen Tätigkeiten auf Einstiegsniveau automatisieren, ohne klare Entwicklungspfade für neue Fachkräfte zu schaffen. Mushegian plädiert deshalb für neue Entwicklungspfade und mehr Möglichkeiten, Praxiserfahrung zu sammeln.
Auch das Profil einer Senior-Security-Rolle wird breiter. Neben technischem Wissen gewinnen Kenntnisse in KI und Identity Security, Verständnis für Governance sowie kommunikative Fähigkeiten an Bedeutung, da Cybersecurity zunehmend zur Vorstandsangelegenheit wird. Sechs von zehn Befragten (62 Prozent) benötigen Skills im Bereich strategisches Security-Leadership, etwa KI-Governance und die Übersetzung technischer Risiken in geschäftliche Auswirkungen.
Automatisierung operativer Aufgaben
Raynaud Schokkenbroek, Manager Solution Architects Western Europe bei Barracuda, berichtet, dass Security-Teams in den Benelux-Ländern in der Praxis weniger nach zusätzlichem Personal fragen als nach besserer Transparenz, mehr Automatisierung und effizienteren Prozessen. Laut Schokkenbroek kann KI die Flut operativer Aufgaben reduzieren, sodass Teams mehr Zeit für Prävention, Identity Security, Compliance, KI-Governance und die Vorbereitung auf Sicherheitsvorfälle haben. Er betont, dass es dabei darum gehe, den operativen Overhead zu verringern, und nicht darum, Menschen zu ersetzen. KI löse den Skills-Mangel seiner Ansicht nach nicht, gebe Organisationen aber die Chance, Arbeit zu automatisieren, die schon seit Jahren hätte automatisiert werden müssen.
Über die Studie
Arlington Research führte die Umfrage im Auftrag von Barracuda unter 2.000 IT- und Security-Entscheidern auf mittlerer und oberer Führungsebene in Organisationen mit 100 bis 2.000 Beschäftigten durch. Die Befragten stammen aus den Benelux-Ländern, den USA, Großbritannien, Frankreich, der DACH-Region, Skandinavien, Australien, Indien und Japan. Die Studie konzentrierte sich auf Herausforderungen rund um Security-Skills und -Kapazitäten in den vergangenen zwölf Monaten.
Der vollständige Bericht ist über den Cybersecurity Skills Gap Report abrufbar.
Dieser Artikel ist ursprünglich auf Niederländisch bei MSP Business erschienen. Zum Originalartikel →
