ESET hat NeoCortex vorgestellt, ein eigenes KI-Modell, das speziell mit Sicherheitsdaten trainiert wurde. Das Modell unterstützt LiveCortex, die Analyse-Engine innerhalb der ESET PROTECT Platform. Laut einer internen Untersuchung des Unternehmens liegen die Trainingskosten 200-mal niedriger als bei großen, allgemeinen KI-Modellen.
NeoCortex basiert auf einer sogenannten World-Model-Architektur, die ESET in einem technischen Blogbeitrag zu NeoCortex erläutert. Das Modell lernt anhand historischer Sicherheitsvorfälle, wie sich digitale Umgebungen verhalten und wie einzelne Ereignisse miteinander zusammenhängen. LiveCortex sammelt dafür Signale aus Arbeitsplatzrechnern, Cloud-Umgebungen und Anwendungen, etwa einen auffälligen Anmeldeversuch oder eine ungewöhnliche Netzwerkverbindung, die für sich genommen harmlos erscheinen können.
Rekonstruktion und Vorhersage
Laut ESET kann NeoCortex auf Basis dieser kombinierten Signale fehlende Informationen rekonstruieren und mögliche nächste Schritte von Angreifern vorhersagen. Das Unternehmen bezeichnet diesen Ansatz als „Minus-One-Day-Defense“. Ziel ist es, eine Bedrohung zu neutralisieren, bevor ein Angriff die nächste Phase erreicht.
ESET gibt zudem an, dass das Modell die Zahl überflüssiger Meldungen für Sicherheitsteams reduziert. LiveCortex verarbeitet nach Angaben des Unternehmens täglich Milliarden von Ereignissen, von denen 0,00111 Prozent zu einem tatsächlichen Vorfall beitragen, der an Kunden gemeldet wird. Das entspricht etwa einem von 90.000 Ereignissen.
Niedrigere Trainingskosten
Die niedrigeren Trainingskosten erklärt ESET mit der Beschränkung auf Cybersecurity-Daten. Das Modell arbeitet ausschließlich mit Sicherheitsdaten wie Zeitstempeln, verdächtigen Prozessen und deren Zusammenhängen, wodurch laut Unternehmen weniger Rechenleistung erforderlich ist. Durch optimiertes Training und den Einsatz eigener Hardware kann ESET nach eigenen Angaben die Sicherheitsmuster häufiger aktualisieren – bei planbaren Infrastrukturkosten. Die Angabe der 200-mal niedrigeren Kosten stammt aus einer internen Untersuchung des Unternehmens.
Menschliche Kontrolle
Chief Technology Officer Juraj Malcho betont, dass das Modell entwickelt wurde, um menschliches Fachwissen zu stärken, nicht um es zu ersetzen. Laut Malcho trifft NeoCortex keine eigenständigen kritischen Sicherheitsentscheidungen und ist Teil einer mehrschichtigen Sicherheitsarchitektur.
ESET setzt nach eigenen Angaben verschiedene Sicherheitsmaßnahmen ein. Dazu gehören abgeschottete Ausführungsumgebungen, Tools mit reinen Leserechten, kontinuierliches Monitoring sowie ein physischer Notschalter, mit dem sich das System sofort abschalten lässt.
Eigene Infrastruktur
NeoCortex wird vollständig innerhalb der eigenen Infrastruktur von ESET entwickelt und betrieben. Das europäische Unternehmen behält damit nach eigenen Angaben die Kontrolle über die Funktionsweise des Modells und über die Verarbeitung von Kundendaten. ESET erwartet, dass dies die Abhängigkeit von externen KI-Anbietern verringert und Organisationen weniger anfällig für geopolitische Risiken oder unerwartete geschäftliche Kurswechsel Dritter macht.
Den vollständigen Bericht finden Sie im technischen Blogbeitrag zu NeoCortex.
Dieser Artikel ist ursprünglich auf Niederländisch bei MSP Business erschienen. Zum Originalartikel →
