Gartner hat seine Liste mit zehn strategischen Technologietrends für 2027 auf dem Gartner IT Symposium/Xpo in Orlando vorgestellt. Ein Großteil der Trends dreht sich um den Einsatz und die Beherrschung von KI-Agenten, vom Identitätsmanagement bis hin zu Kontextebenen. Darüber hinaus stehen digitale Souveränität, Wegwerfanwendungen und biologische Rechenleistung auf der Liste.
Analysten von Gartner präsentierten die Trends auf dem IT Symposium/Xpo, das noch bis Donnerstag läuft. Laut Gene Alvarez, Distinguished VP Analyst bei Gartner, arbeiten KI-Systeme derzeit ohne architektonischen Rahmen. Sie erzeugen Software schneller, als Menschen sie prüfen können, schaffen unkontrollierte Zugriffspfade und binden Prozesse an einen einzigen Anbieter. Alvarez zufolge müssen Unternehmen deshalb die Grenzen zwischen Organisation, Mensch und Maschine aktiv gestalten, statt lediglich den Möglichkeiten der Modelle hinterherzulaufen. Gartner-Kunden finden die vollständige Ausarbeitung im Bericht Top Strategic Technology Trends for 2027.
Spezialisierte KI-Modelle
Der erste Trend betrifft Large Quantitative Models (LQMs). Gartner zufolge birgt der Einsatz allgemeiner Sprachmodelle für numerische Aufgaben Risiken für Genauigkeit und Compliance, da diese Modelle auf Basis von Wahrscheinlichkeiten raten. LQMs sind modulare, hybride neuronale Netzwerkarchitekturen, die speziell quantitative Daten verarbeiten und analysieren. Laut Alvarez können Unternehmen damit autonome Prognosen in regulierten Branchen wie dem Finanz- und Gesundheitswesen einsetzen.
Speech Reasoning Models sind Sprachsysteme, die direkt auf Basis von Audio schlussfolgern und Kontext sowie Absicht über den gesamten Gesprächsverlauf hinweg verfolgen. Laut Alvarez ist Sprache der Interaktionskanal mit dem höchsten Volumen, während die Automatisierung des Kundenservice bislang nicht die gewünschte Genauigkeit und Lösungsquote erreicht hat. Er erwartet, dass diese Modelle auch komplexe Gespräche automatisierbar machen.
World Models versetzen Maschinen laut Gartner in die Lage, Raum, Zeit und Kausalität zu verstehen. Autonome Agenten können damit künftige Situationen simulieren und die Folgen ihrer Handlungen vorhersagen, bevor sie diese ausführen. Getrieben wird diese Entwicklung durch Investitionen in Robotik, autonome Fahrzeuge und Spatial Computing.
Kontext, Code und Identität von Agenten
AI Context Platforms versorgen Agenten mit dem kontextuellen Wissen, das sie benötigen, um Eingaben zu interpretieren und im Einklang mit den Unternehmenszielen zu handeln. Alvarez warnt, dass Unternehmen ohne eine solche Kontextebene mit überprivilegierten Agenten, Compliance-Fehlern, geringem Vertrauen und hohem Token-Verbrauch zu kämpfen haben. Gartner prognostiziert, dass Unternehmen, die 2027 der Semantik in AI-ready Data Priorität einräumen, die Genauigkeit von Agentic AI um bis zu 80 Prozent steigern und die Kosten um bis zu 60 Prozent senken.
Ein Agent Coding Harness ist ein geschlossenes Regelsystem, das das Verhalten autonomer Entwicklungsagenten über den gesamten Softwareentwicklungszyklus hinweg steuert. Ohne ein solches System müssen Entwickler den maschinell erzeugten Output manuell prüfen, was laut Gartner die Produktivitätsgewinne zunichtemacht.
Beim Thema AI Agent Identity weist Gartner darauf hin, dass Agenten eigenständig Aufgaben im Auftrag mehrerer Personen ausführen, während veraltete Systeme keinen Just-in-time-Zugriff unterstützen. Das Unternehmen prognostiziert, dass 2028 ein Viertel der Sicherheitsvorfälle in großen Organisationen auf den Missbrauch von KI-Agenten zurückzuführen sein wird. Alvarez zufolge kann ein dynamischer, richtlinienbasierter Zugriff statische Credentials ersetzen und Modelle, Prompts und Credentials mit den Aktionen eines Agenten verknüpfen.
Sicherheit und Souveränität
Autonomous Exposure Remediation (AER) kombiniert KI und Automatisierung, um Schwachstellen zu finden, zu priorisieren und zu beheben. Das System testet Patches oder virtuelle Patches und spielt diese automatisch in Produktionsumgebungen aus.
Sovereign Tech umfasst Hardware, Software, Datenbanken und KI-Modelle, die technisch und rechtlich so gestaltet sind, dass Unternehmen realistisch von kritischen Anbietern wechseln können. Gartner erwartet, dass 2030 mehr als 75 Prozent der nicht-amerikanischen Organisationen eine Strategie für digitale Souveränität verfolgen und kritische Workloads verlagern.
Wegwerfanwendungen und Wetware
Disposable Applications sind Anwendungen, die bewusst außer Betrieb genommen werden, sobald sie ihren Zweck erfüllt haben. Laut Alvarez verändert dies die Art und Weise, wie Software beschafft, konzipiert und budgetiert wird.
Der letzte Trend ist Wetware as a Service: Cloud-Zugriff auf lebende oder synthetische biologische Systeme für Berechnungen. Gartner zufolge kann Siliziumhardware KI wegen des Energieverbrauchs nicht unbegrenzt skalieren, während diese organischen Prozessoren komplexe Algorithmen energieeffizient ausführen können. Das Unternehmen erwartet, dass die zehn Trends innerhalb von fünf Jahren spürbare Auswirkungen für CIOs und IT-Verantwortliche haben.
Der vollständige Bericht ist abrufbar unter Top Strategic Technology Trends for 2027.
Dieser Artikel ist ursprünglich auf Niederländisch bei MSP Business erschienen. Zum Originalartikel →
