Betrieb & OrganisationInterview

MSP des Monats November: Virtual Computing

Jeden Monat setzen wir uns mit einem MSP zu einem ausführlichen Gespräch zusammen. Was läuft gut? Wo gab es Probleme? Wie sehen Sie den Markt? Denn es tut gut, sich ab und zu auszutauschen: Wie machen Sie das eigentlich?

Diesen Monat an der Bar: Mohammad Moghtader, CTO und Mitinhaber von Virtual Computing aus dem niederländischen Oisterwijk. Er wählt sich von einem Kunden in Eindhoven aus ein, wo er im Alleingang ein Netzwerk aufräumt. Virtual Computing ist ein kleiner MSP, was die Vollzeitstellen angeht, und ein großer, was die Kunden angeht, mit eigenen Online-Arbeitsplätzen im Rechenzentrum von Interconnect und einem jungen Team, das fast vollständig als Praktikanten angefangen hat.

Wer sind Sie und was unterscheidet Sie von anderen MSPs?

Virtual Computing wurde um 2006 von Robin Damen während seines Informatikstudiums in Breda gegründet. „Damals gab es den Starterslift. Man bekam ein Klassenzimmer zugewiesen, das war dann das eigene kleine Büro, und die Hochschule half einem bei der Unternehmensgründung.“ Mohammad kam 2010 als Praktikant aus der niederländischen Berufsausbildung (MBO) ins Unternehmen, studierte weiter bis zum Master und stieg so bis zum CTO auf.

Was das Unternehmen anders macht? Der erste Reflex sei die Verkaufsversion, gibt er zu. Die eigentliche Antwort kommt am Ende des Gesprächs. „Bei allen lautet das Motto persönlich, persönlich, persönlich. Bei uns würde ich sagen: Familie. Unsere Leute arbeiten hier so lange, dass Kunden immer dieselben Namen hören. Ein Kunde muss nur den Namen seiner Organisation nennen, und die Jungs kennen die komplette Konfiguration fast auswendig.“ Und proaktiv. „Wir laden uns mehr auf, als nötig wäre. Aber dann wissen wir, dass wir compliant und auf dem neuesten Stand sind.“ Diesen Unterschied sieht er bei Kunden, die von einem Mitbewerber wechseln. „Da läuft dann Windows Server 2016, obwohl der Anbieter ISO 27001 trägt. Warum haben die euch nicht upgegradet? Ja, dann hätten wir vier, fünf K für die Migration zahlen müssen. Es ist unsere Verantwortung, dass der Kunde auf einem aktuellen System arbeitet, dafür bestraft man ihn doch nicht. Ich lese etwas über KI? Na ja, wir sind schon ein Jahr weiter.“

Welcher Kunde passt am besten zu Ihnen, und welcher gerade nicht?

„Theoretisch jeder, solange es Mittelstand ist. Unser kleinster Kunde ist ein Einzelunternehmen, der größte hat dreihundert Leute auf unserer Plattform.“ Das größte Segment ist das Gesundheitswesen: Zahnärzte, Physiotherapeuten. Das ist über Softwareanbieter gewachsen, die ihre Anwendung in der Cloud betreiben, weil es noch keine SaaS-Lösung gab. „Die hosten wir auf unserer Plattform. Und dann denkt sich der Kunde: Wenn das Programm schon bei euch läuft, warum stelle ich dann nicht auch mein Office und meine Buchhaltungssoftware dazu?“ Der durchschnittliche Kunde ist bereits seit zehn Jahren bei Virtual Computing. „Siebzig, achtzig Prozent vertrauen uns blind. Der Rest ist kritisch, und das ist gut so, das hält uns auf Trab.“

Was war der lehrreichste Fehler oder Rückschlag des vergangenen Jahres?

Kein großer Ausfall oder verlorener Kunde, sondern ein Charakterzug. „In einer kleinen Organisation denkt man sehr oft, dass man alles weiß. In der Praxis stimmt das nicht, denn die IT verändert sich immer schneller, auch durch KI. Unser lehrreichster Fehler ist, dass wir manchmal nicht stur sein und einfach dem Rat folgen sollten.“ Er relativiert sofort. „Bei KI sind wir mit breiter Brust vorangegangen und haben spielerisch gelernt, wie es geht und wie nicht. Bei anderen Dingen sind wir zurückhaltend, weil wir ihnen nicht trauen, obwohl der Markt sie bereits vollständig implementiert hat.“

Welche Technologie oder welcher Trend beschäftigt Sie derzeit am meisten?

KI, sagt jeder MSP in dieser Rubrik. Hier steht sie auf Platz zwei. „Wir hatten sie ein Jahr lang auf Priorität eins. Jetzt sind es inkrementelle Updates. Auf Platz eins steht die hybride Variante von Azure Virtual Desktop, das ist etwas völlig Neues.“ AVD war jahrelang exklusiv denjenigen vorbehalten, die eine Maschine in Azure bezogen. „Eine Azure Virtual Machine ist um ein Vielfaches teurer als dieselbe Maschine in unserem Rechenzentrum. Microsoft hat gesehen, dass MSPs mit eigener Plattform diesen Druck nicht spürten. Seit vergangenem September ist die hybride Lösung für on-prem verfügbar. Jetzt können wir die Entra ID eines Kunden mit seiner Virtual Machine verknüpfen und SSO einrichten. Gemeinsam mit unseren Kunden arbeiten wir intensiv an der Migration vom traditionellen Aufbau hin zu den moderneren AVD-Lösungen, die Kunden zukunftssicherer machen.“

KI ist inzwischen in einem eigenen Unternehmen angesiedelt, Nahayat.io, mit größtenteils demselben Team wie Virtual Computing. Es verkauft unter anderem Alex, den eigenen KI-Helpdesk-Mitarbeiter, an Kunden und andere MSPs. „Wir bauen für Kunden keine Software mit KI. Wir bauen die Plattform, auf der sie KI sicher nutzen können, zum Beispiel einen Agenten, den sie auf ihre eigenen Daten loslassen, sodass diese Daten in den Niederlanden bleiben und nicht damit trainiert wird.“

Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Mitarbeitenden auf einem angespannten Arbeitsmarkt gut und motiviert bleiben?

„Jeder, der irgendwann einmal eine HTML-Seite gebaut hat, hält sich für einen ITler. Da kann man über einen Recruiter gehen, oder man packt es an der Wurzel: in dem Moment, in dem sie studieren.“ Virtual Computing ist Partner in Education des ROC in Tilburg, einer niederländischen Berufsschule, und seit vergangenem Jahr auch der Fachhochschule Fontys. Mohammad hält Gastvorlesungen zu Themen, die zum Studium und zu Virtual Computing passen. „Man investiert Zeit und Wissen und bekommt sehr viel zurück. Neunzig Prozent unseres Teams, ich selbst eingeschlossen, haben als Praktikanten bei Virtual angefangen. Man überspringt die gesamte Einarbeitungszeit, weil die Person die Plattform schon kennt.“

Und wie hält man sie an Bord? „Ein gutes Gehalt, seien wir ehrlich. Jeder will irgendwann ein Haus kaufen können.“ Sie versuchen, die Arbeit angenehm und gesellig zu gestalten: zweimal pro Woche gemeinsames Mittagessen, jedes Quartal ein Ausflug, ein Durchschnittsalter von 26, 27 Jahren. „Ob ich nun CTO bin oder Robin CEO, sie weisen mich zurecht, wenn ich etwas falsch mache, und ich sie.“ Homeoffice ist erlaubt, kaum jemand nutzt es. „Wenn etwas akut ist, geht man ins Zimmer des anderen, krempelt zu zweit die Ärmel hoch und legt los. Das funktioniert besser, als erst über Teams anzurufen.“

Wo wollen Sie mit Ihrem Unternehmen in zwei Jahren stehen?

„Dass wir den Online-Arbeitsplatz, unser Kerngeschäft, mit diesem hybriden AVD komplett modernisiert haben. Und Wachstum als Unternehmen, nicht unbedingt bei den Vollzeitstellen. Wir sind dieses Jahr zum fünften Mal FD Gazelle (jährliche Auszeichnung der Wirtschaftszeitung Financieele Dagblad für schnell wachsende Unternehmen – Anm. d. Red.), in zwei Jahren hoffen wir auf die siebte.“ Vor allem die Vielfalt der Kunden soll bleiben. „Jetzt bin ich bei einem Webshop, gestern war ich bei einem Energieversorger. Wenn ich jeden Tag dieselbe Art von Kunden und dieselben Verkaufsgespräche hätte, wäre es für mich sehr schnell vorbei.“

Was hätten Sie als MSP gern früher gewusst?

„Als ITler besteht ein Großteil der Arbeit aus Dingen, die für die Kunden unsichtbar sind. Deshalb merken sie manchmal nicht, wofür sie bezahlen, und denken schnell, dass sie zu viel für Dienstleistungen zahlen, von denen nur die Spitze des Eisbergs sichtbar ist.“ Mohammad nennt es: greifbar machen. „Ich verkaufe Wolken (Cloud). Bei den Speeddates des ROC habe ich einmal einen 1U-Server auf den Tisch gestellt. Plötzlich kamen alle gucken. Und Kunden, die das möchten, nehmen wir mit ins Rechenzentrum. Schauen Sie, in einer dieser Pizzaschachteln laufen Sie.“

Dieser Artikel ist ursprünglich auf Niederländisch bei MSP Business erschienen. Zum Originalartikel →